Der süße Duft der Armut

Veröffentlicht am 02/09/2019
olor de la pobreza

Ich denke, dass der Geruch viel von dem ausdrückt, was wir sind. Einige riechen nach Seife, nach Shampoo, nach Parfüm und wir sagen ihnen, dass sie gut riechen. Andere riechen nach Schweiß, nach Arbeit, nach Schmutz und wir halten lieber Abstand.

Unsere Berufung bei den Missionaren Diener der Armen ist, Personen in großer Not aufzunehmen. Oft sind die, welche sich an uns wenden um unsere Unterstützung zu bitten, einfaches Volk der Hohen Kordillere mit sehr wenig Geld und sehr geringer Bildung des Überlebens. In ihrem Leben gibt es keinen Platz für Überfluß. Sie leben in Orten, wo keine Wasserleitung hinkommt, ohne Brunnen oder Quelle und die Kälte kann beißend sein. In ihren Lehmziegelhütten mit Erdboden kochen sie, heizen mit Holz und beherbergen sie ihre Haustiere wie Meerschweinchen oder Hendeln.

So kann man sich den Geruch vorstellen, der Einen manchmal überschwemmt an Orten, wo sie zusammen kommen, in den Speisesälen, Klassenzimmern der Schüler oder Schülerinnen, in Kapellen usw.

Kaum angekommen bei den Missionaren Diener der Armen, erinnere ich mich an eine heilige Messe in unserer Kapelle.

Vor uns saß eine Mama, Ketschua sprechend, mit ihren traditionellen Zöpfen und ihren verschiedenen Unterröcken und Pullovern unbestimmbarer Farbe. Aber ihr erstes bemerkbares Merkmal war der Geruch, Geruch nach Herd, Meerschweinchen, Schweiß, Urin, usw. Wem es gelang, mehr als fünf Minuten an ihrer Seite zu bleiben, hätte sich in die offizielle Seite der Guinness Weltrekorde einschreibenlassen können.

Und bevor ich es gewahr wurde, sprudelte aus dem Herzen dieser Satz: "Herr, lass mich den Geruch der Armen lieben." Wenn ich mein ganzes Leben in Gesellschaft dieser Personen verbringen mußte, mußte ich sie erst einmal lieben. Sie lieben so wie sie sind und nicht wie ich gerne hätte, wie sie wären. So ist mir also an jenem Tag diese göttliche Gabe geschenkt worden.

Den Geruch der Armut lieben. Dieser physischen Armut, bemerkbar, unmittelbar tastbar, aber auch den Geruch der geistigen und moralischen Armut, mehr verborgen, weniger offensichtlich.

Lieben mit Einfachkeit, lieben mit Süße und Herzlichkeit. Das ist die Liebe, die Gott für uns hat. Sie nähert sich unseren Schmutzigkeiten mit Sanftmut denn Er sieht aus und erkennt uns als Arme. Seine Barmherzigkeit verliebte sich in unser Elend und will uns den Weg der moralischen und geistigen Reinheit lehren.

Haben wir diese seine Augen der Barmherzigkeit denen gegenüber, die sich uns nähern, denn je mehr sie stinken, materiell oder geistig, umso mehr brauchen sie uns. Lernen wir von Ihm, barmherzig zu sein.