Eine ökumenische Erfahrung in der Hohen Kordillere

Veröffentlicht am 12/06/2018
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In Anbetracht der in dieser Ausgabe unseres Newsletters behandelten Themen (die Reise des Papstes nach Genf im Rahmen jenes ökumenischen Dialogs, der für die Kirche so bedeutend ist, vor allem nach dem II. Vaticanum und dem Konzilsdekret  Unitatis Redintegratio) möchte ich ein kleines Zeugnis geben über eine Erfahrung, die ich kurz nach meiner Priesterweihe machte.

Während einer Mission in der Hohe Kordillere, kam ich zusammen mit zwei Brüdern in eine kleine Kommunität. Dort pflegten wir uns in einem Schulsalon zu beherbergen. Deshalb gingen wir zu einer sehr guten Frau (eine ihrer Töchter ist zurzeit Aspirantin in der Gemeinschaft unserer Schwestern in Cuzco) um um die Schlüssel des Schulgebäudes zu bitten. Da wir sie nicht vorfanden, fragten wir nach ihr und eine Nachbarin sagte uns, dass sie in die protestantische Kirche gegangen war. Wir begannen uns zu fragen, was geschehen sei, denn in diesen Kommunitäten geschieht es bisweilen, dass ein Katholik die Kirche verlässt um anderen christlichen Gruppen anzuhangen, oft wegen des schlechten Beispiels anderer Katholiken.  Wie es im Abschlussdokument der V. Generalversammlung des CELAM (Latein- amerikanische Bischofskonferenz), die 2007 in Aparecida (Brasilien) stattfand, heißt:

Gemäss unserer pastoralen Erfahrung, wenn ehrliche Leute unsere Kirche verlassen, so tun sie es nicht wegen dem, was andere “nicht katholische” Gruppen glauben, sondern hauptsächlich wegen dem, was sie leben; nicht aus doktrinellen Gründen, sondern wegen, dem was gelebt wird; nicht aus streng dogmatischen sondern pastoralen Motiven (n. 225)

Als wir dann zur protestantischen Kirche kamen, sagte uns diese Frau, dass die Schwester ihres Mannes, die eine Protestantin ist, gerade ihre Hochzeit feierte, und sie deshalb dort in die Kirche gegangen ist. Als die protestantischen Brüder uns sahen, luden sie uns erfreut ein einzutreten und am Fest teilzunehmen, bei christlichen Gesängen und geteilten Essen… eine schöne Erfahrung, die unser missionarisches Herz erfreute. Einige Monate später erfuhren wir, dass dieselben protestantischen Brüder an einer katholischen Hochzeit teilnahmen, die in derselben Kommunität gefeiert wurde und diese mit ihren Liedern animierten.
Diese schöne Erfahrung liess mich an einen weiteren Punkt aus dem Dokument von Aparecida denken (n. 227):

Die Beziehung zu den getauften Brüdern und Schwestern anderer Kirchen und kirchlicher Gemeinschaften ist ein unverzichtbarer Weg für einen missionarischen Jünger, denn der Mangel an Einheit stellt einen Skandal, eine Sünde und eine Verzögerung der Erfüllung des Wunsches Christi dar:  “Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, daß du mich gesandt hast” (Joh 17,21).