Pfadfinderinnen der Katholischen Pfadfinderschaft Europas (KPE

Veröffentlicht am 20/01/2018

Die Großfahrt 2017 liegt hinter uns. 10 Ranger und ein Kurat hatten auf ihrer Fahrt bereits Santiago de Chile, dann La Paz, die Millionenmetropole Boliviens auf 3600-4100m Meereshöhe erlebt, waren im Titicaca-See geschwommen, hatten den Condoriri-Trail beschritten und dabei auch schon verschiedenste Auswirkungen der Höhenkrankheit erlebt. Dann durften sie die Grenze nach Peru überqueren und besuchten die Schwestern der ehemals deutschen Dominikanerinnen-Kongregation in Juliaca. Es war beeindruckend, was die Schwestern dort für die Mädchen aus armen Familien auf die Beine gestellt haben und welch positiver Geist dort herrscht. Anschließend ging die Fahrt weiter nach Cusco. Hier ihr Bericht:

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Dann endlich kamen wir nach Cusco…

Wer nach Peru geht, muss nach Cusco. So kennt man es. Auch uns führte unsere Fahrt nach Cusco und natürlich nahmen wir uns Zeit für einen Stadtrundgang, Erzählungen über die Inka-Vergangenheit und einen Besuch auf dem großen Markt, mit den vielfältigen angenehmen oder weniger angenehmen Gerüchen. Diejenigen unter uns, die wesentlich ihr Empfinden mit dem Sinnesorgan Nase verknüpfen, verbinden somit eher Unangenehmes mit diesem Part unserer Fahrt.

Beeindruckend dagegen die Kathedrale und ihr Pendant, die Jesuitenkirche. Krass und grandios. Laudetur Jesus Christus!

Doch dann stoppte auch schon unser Touri-Programm: Nein, wir gingen nicht nach Machu Picchu, nein, wir besichtigten nicht die Ruinen von Pisac, nein – wir waren auch nicht in Ollantaytambo! Ja, was dann???

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Bei den Dienern der Armen

Wir machten eine richtig lange Station bei den Dienerinnen der Armen! Und das ist viel mehr Peru, als das Abklappern von alten Steinhäufen, so interessant die Vergangenheit über die sie erzählen auch sein mag. Wir erlebten so das Peru der Gegenwart. Und wer sind nun die Diener und Dienerinnen der Armen?

Den Kontakt dorthin hatten wir über Matthias und seine Familie erhalten. Matthias ist KPEler und arbeitet seit Jahren als Missionar in Südamerika. Die Schwestern und Brüder der Gemeinschaft haben in Cusco und Umgebung eine große Missionsstation aufgebaut und leben ganz in der Art und Weise der Armen, denen sie auch in besonderer Weise ihre Arbeit und Liebe widmen. Zu dem Projekt gehören eine gesamte „Jungenstadt“ bei Andahuaylillas, ein Heim für schwerbehinderte Kinder und Jugendliche rund um das Schwesternheim in Cusco, ein Mädcheninternat und eine Mädchenschule, sowie mehrere kleine Missionsstationen in den Dörfern der Berge ringsum.

Die gestrenge Chefin Sr. María Betzabé mit ihrem großen Herz ermöglichte uns Einblicke in all die Aufgabenbereiche: Besonders beeindruckte uns dabei der liebevolle Umgang der Schwestern mit den schwer benachteiligten Kindern. Wir durften dort mithelfen, umkleiden, Essen reichen, waschen, singen, spielen, zu Bett bringen… und jede von uns schloss ihren Liebling ins Herz.

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Eine davon war die 16-jährige Jesenica. Jesenica leidet an einer unheilbaren Krankheit, ist seit Monaten gelähmt und vollkommen auf Hilfe von anderen angewiesen. Sie weiß, dass sie bald sterben wird. Die Begegnung mit ihr gehört sicher zu den eindrücklichsten unserer Fahrt: Jesenica strahlte eine Ruhe und Freude aus, die nur von ihrer tiefen Überzeugung bald bei Jesus zu sein kommen konnte. Ihre dunklen Augen waren ganz klar. Immer wieder schauten wir bei ihr vorbei, um bei ihr und mit ihr zu singen. Dazwischen gab sie mal schnell einen kleinen Spanisch-Sprachkurs für Antonia und Alina und begann mit zu summen, sobald sie unsere Lieder im Ohr hatte. Immer wieder bat sie um ihr Lieblingslied: „Ave Maria, ave Maria!“ –  Es will das Licht des Tages scheiden…

An anderen Tagen waren wir an Außenstellen unterwegs: in der „Bubenstadt“, in der wir den Pfadfinderpater P. Louis-Marie kennenlernten oder mit den jungen Schwestern in die Missionsstationen Casacunca und Puna Cancha der Berge fuhren. Wir erlebten dort die Totenfeier für eine verstorbene alte Frau, feierten eine Heilige Messe auf Quechua (Sprache der indigenen Bevölkerung) mit, wir spielten, sangen, beteten und kochten mit den Kindern des Dorfes… und traten abends in einem völlig „staubenden“ Bus[1] mit zufriedenen Schwestern die Rückfahrt an. Die Schwestern sind echt fromm und richtig lustig. Eine amüsante Mischung. Am liebsten hätten sie natürlich einige von uns gleich eingekleidet. Aber auch wir hätten gerne einigen von ihnen gleich mitgenommen. Verhandlungen gab es schon.

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Gut erholt, aber schweren Herzens nahmen wir dann Abschied, denn die Berge riefen uns erneut zu einer Tour mit grandiosen Tälern, atemberaubenden Anblicken eisiger Gipfel, traumhaften Ausblicken, dampfend heißen Quellen und feenhaften Talgründen.

Zurück bleibt ein Stück unseres Herzens bei Jesenica, dem kranken Indomädchen, den fröhlichen Missionsschwestern, den Missionaren und den Kindern im Heim und in den Bergdörfern, bei den Dienern der Armen in Peru.

Judith Christoph

[1]Konntet ihr schon mal in den Staub eurer Röcke Nachrichten schreiben?